Der Ausblick der UBS Group AG für 2025 zeigt einen sorgfältigen Spagat zwischen der Integration nach der Fusion und langfristigem Wachstum. Zwei Jahre nach der Übernahme von Credit Suisse hat sich der Schweizer Bankriese von der Krisenreaktion zur strategischen Transformation gewandelt.
Die Fusion hat die Kundenbasis und die operative Schlagkraft von UBS deutlich erweitert und schafft eine Plattform, um im technologiegetriebenen Finanzgeschäft offensiver anzutreten.
Kapitalstärke und KI-Effizienz
Eine zentrale Säule des Fortschritts von UBS ist ihre solide Finanzbasis; zum Ende des zweiten Quartals 2025 lag die CET1-Quote bei 14,4 %. Trotz regulatorischer Herausforderungen – darunter Pläne, die Kapitalpuffer bis 2027 auf 17–19 % anzuheben – hält UBS ihre Zusage gegenüber den Aktionären aufrecht und kündigt für 2025 Dividenden und Aktienrückkäufe im Umfang von 3 Mrd. US-Dollar an.
Strengere Kapitalvorgaben könnten den Spielraum für künftige Rückkäufe zwar einschränken, doch übertrifft UBS mit den aktuellen Kennzahlen die Mindestanforderungen deutlich.
Kosteneinsparungen sind ebenso entscheidend. UBS meldet Einsparungen von 7,3 Mrd. €, die vor allem durch Systemmigrationen und die Reduzierung von Alt-Anwendungen der Credit-Suisse-Infrastruktur erzielt wurden.
KI- und Cloud-Fähigkeiten stützen diese Bemühungen weiter. Der interne KI-Assistent „Red“, den inzwischen mehr als 50.000 Mitarbeitende nutzen, spielt eine Schlüsselrolle, um sowohl den Kundenservice als auch das Arbeitstempo zu erhöhen.
Vermögenswachstum weltweit stützt langfristige Strategie
Die Sparte Global Wealth Management, die 4,5 Bio. US-Dollar verwaltet, bleibt das Herzstück des UBS-Wachstums. Der kürzlich veröffentlichte UBS Global Wealth Report 2025 zeigt, dass Nordamerika weltweit das stärkste Vermögenswachstum erzielt hat – ein Befund, der die regionale Stärke der Bank untermauert und ihr Engagement für vermögende Kunden in Schlüsselmärkten bestätigt.
Die 4,5-Bio.-US-Dollar-Sparte bleibt ein verlässlicher Wachstumsmotor, gestützt durch den Ausbau in dynamischen Märkten wie Asien. Die Beteiligung an Indiens 360 ONE WAM Ltd. und die Kooperation mit General Atlantic im Bereich Private Credit zeigen die strategische Hinwendung zu globalen Chancen außerhalb Europas.
Dennoch bestehen Risiken. Die laufende IT-Integration von Credit Suisse, insbesondere die bevorstehende Schweizer Kundenmigration der „Wave 1“, birgt erhebliche operative Herausforderungen.
Regulatorischer Druck und Altlasten könnten zudem auf der Bewertung von UBS lasten; das Institut wird derzeit mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis gehandelt, das unter dem Branchenschnitt liegt.
Gleichwohl sollte die disziplinierte Kapitalsteuerung, die regionale Diversifizierung und das anhaltende Engagement in Innovationen UBS gestärkt aus dieser Phase hervorgehen lassen.
Für Anleger, die kurzfristige Unsicherheiten aushalten können, bietet die Bank eine seltene Mischung aus Stabilität, Transformation und zukunftsgerichtetem Potenzial.

